Landschaften der Verfolgung – Web-App

Von 2019 bis 2023 war die Stiftung Gedenkstätte Lindenstraße Teil eines vierjährigen, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsverbundes „Landschaften der Verfolgung“, dem u.a. die Humboldt-Universität Berlin, die Charité Berlin und die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen angehörten.

In ihrem Teilprojekt untersuchte die Stiftung Gedenkstätte Lindenstraße die Geschichte der Potsdamer Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit in der Zeit zwischen 1952 und 1989. Die Staatssicherheit inhaftierte hier insgesamt 6000 bis 7000 Frauen und Männer. Zu den Inhaftierten legte die Staatssicherheit eine eigene Kartei an. Diese Kartei ist im Stasi-Unterlagenarchiv im Bundesarchiv erhalten geblieben und wurde systematisch ausgewertet. Darüber hinaus flossen u.a. Überlieferungen des Bundesarchivs, des Brandenburgischen Landeshauptarchivs und des Stadtarchivs Potsdam in das Vorhaben ein.

Zwei Teilergebnisse der Forschungen können online eingesehen werden.

  • In der Web-App https://potsdam.berlinhistory.app/ werden Einblicke geliefert zu statistischen Informationen aus der Kartei des Stasi-Unterlagenarchivs. Zugleich werden Frauen und Männer vorgestellt, die im einstigen Gefängnis in der Lindenstraße von der Staatssicherheit inhaftiert waren. Die Informationen und Biographien lassen sich auf drei Wegen entdecken: über den Zeitverlauf, über die geographische Verortung und über leitende Fragen.
  • In der Web-App https://haft-ddr.de/ werden Ergebnisse des gesamten Forschungsverbundes gebündelt präsentiert. Es ist die bisher größte Datensammlung zu den über 50.000 Gefangenen der Staatssicherheit für den Zeitraum von 1963 bis 1989. Hiervon waren zwischen 6000 bis 7000 Männer, Frauen und Jugendliche zwischen 1952 und1989 in der Lindenstraße inhaftiert. Viele Namen und Schicksale der Inhaftierten konnten durch das Forschungsprojekt ermittelt werden, aber auch Mitarbeitende des Geheimdienstes. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts zeigen, dass sich Anklagepunkte und Haftgründe mit der Zeit änderten und zeichnen Repressionswellen zeitlich nach. Rund 1700 Menschen saßen aufgrund gescheiterter Fluchtversuche oder Fluchthilfe in der Lindenstraße in Untersuchungshaft. In den 1980er Jahren stieg die Zahl der inhaftierten Ausreiseantragssteller signifikant an. 1988 und 1989 erreichten die Häftlingszahlen einen neuen Höchststand. Im Rahmen des Forschungsprojekts wurden 25 lebensgeschichtliche Filminterviews mit Zeitzeug:innen geführt, die ebenfalls abgerufen werden können.