Zwangsarbeiter:innen als NS-Justizgefangene im Gerichtsgefängnis Potsdam

Im Gerichtsgefängnis Lindenstraße waren zwischen 1940 und 1945 nachweislich 169 Zwangsarbeiter:innen aus mindestens 20 Nationen inhaftiert. Aufgrund harter Sondergesetze und eingeschränkter Umgangsregeln sowie schlechter Lebens- und Arbeitsbedingungen kriminalisierten die Polizei- und Justizbehörden das Verhalten von vielen Zwangsabeiter:innen. Vor allem bei Ausländern stellten Potsdamer Richter wegen Fluchtgefahr häufig einen Untersuchungshaftbeschluss aus. Amts- und Landgericht verurteilten sie zu einer Haftstrafe, manchmal auch zu einer Geldstrafe.

Erstmals liegt ein aus verschiedenen Archivquellen zusammengestelltes Haftbuch mit allen bisher bekannten ausländischen Zwangsarbeiter:innen vor, die im Gerichtsgefängnis Potsdam zwischen 1940 und 1945 inhaftiert gewesen waren. Zusätzlich zu Lebensdaten, Verurteilungsdatum, Strafnormen und Strafmaß sind auch die Haftzeiten ausgewiesen. Viele waren vor ihre Einlieferung in Potsdam in anderen Haftorten inhaftiert, beispielsweise im Potsdamer Polizeigefängnis in der Priesterstraße, oder wurden nach der Verurteilung in Strafvollzugsanstalten verlegt. Die personenbezogenen Angaben wurden quellengetreu in der Datenbank erfasst. Aufgrund zeitgenössischer Verständigungsprobleme und Übersetzungsfehler können Namen, Daten und Informationen fehlerhaft sein. Für ihre Richtigkeit und Vollständigkeit kann daher nicht garantiert werden.