Schweigen und Reden nach der Haft

Zeitzeugengespräch mit Heidelore Rutz und Jochen Stern

»Was uns hier angetan wird, darf nicht vergessen werden«, stand für Heidelore Rutz schon nach den ersten Tagen der Stasi-U-Haft in der Lindenstraße fest. 1983 wurde sie gemeinsam mit ihrem Mann auf einer Schweigedemonstration in Jena verhaftet. Sie wollten mit ihren Söhnen ausreisen, den Staat verlassen, der ihre Freiheiten immer stärker einschränkte. Fünf Monate blieb Heidelore Rutz in der Untersuchungshaft, bevor sie verurteilt und in das berüchtigte Frauengefängnis Hoheneck gebracht wurde. Nach ihrem Freikauf durch die Bundesrepublik im Mai 1984 begann sie, ihre Geschichte aufzuschreiben. Heute ist Heidelore Rutz eine engagierte Zeitzeugin, die in Schulen und Führungen, bei Lesungen, Diskussionen und in künstlerischen Projekten ihre Geschichte erzählt.

»Wir Zeitzeugen dürfen nicht schweigen«, stimmt Jochen Stern zu. Jochen Stern wurde als junger Liberaldemokrat in der Sowjetischen Besatzungszone verfolgt und 1947 wegen »Spionage« zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt – vom Sowjetischen Militärtribunal (SMT) in der Lindenstraße. Im Zuge einer Amnestie politischer Häftlinge nach dem Tode Stalins wurde Jochen Stern 1954 in die Bundesrepublik entlassen. Auch er ist bis heute als Zeitzeuge aktiv.

Doch wie gelingt das Sprechen über die Haft? Welche Last verbirgt sich hinter dem Schweigen? Wie kann es gebrochen werden? Wie sprechen Zeitzeugen mit ihren Kindern, Freunden und Bekannten über diese Extremerfahrung? Und: Werden diese Lebensgeschichten gehört? Gibt es einen gesellschaftlichen Resonanzraum für das Erlebte?


7. Mai, 18 Uhr, Saal Gedenkstätte Lindenstraße
Der Eintritt ist frei.

Datum/Zeit
07.05.2019
18:00 Uhr
Veranstaltungsort
Saal Gedenkstätte Lindenstraße