Der Dokumentarfilm „Bruderland ist abgebrannt“ (1991) beleuchtet die Lebensrealitäten vietnamesischer Vertragsarbeiter:innen in Ostberlin nach dem Mauerfall, die mit dem Wegfall der Staatsverträge der DDR mit Vietnam rechtlos wurden und zunehmender sozialer Unsicherheit sowie rassistischer Gewalt ausgesetzt waren. Der Film eröffnet migrantische Perspektiven auf die Umbruchszeit und bildet den Ausgangspunkt für eine anschließende Diskussion mit der Filmemacherin Angelika Nguyen über Rassismuserfahrung, Zugehörigkeiten und Erinnerung.
Die Veranstaltung findet statt im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus und ist Teil des neuen, vom Bund geförderten Bildungsprojekts „Wir Anderen. Gesellschaftliche Vielfalt in der SED-Diktatur“ der Stiftung Gedenkstätte Lindenstraße.
Über die Regisseurin Angelika Nguyen
Angelika Nguyen wurde 1961 in der DDR als Tochter einer deutschen Mutter und eines vietnamesischen Vaters geboren, wuchs auf in Ostberlin, studierte in den 80ern Filmwissenschaft an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg, drehte 1991 den Dokumentarfilm „Bruderland ist abgebrannt“ über die Lage vietnamesischer Menschen in Ostberlin, schrieb 2011 den Essay „Mutter, wie weit ist Vietnam?“ über die Rassismus-Erfahrungen in ihrer Kindheit für den Sammelband „Kaltland“ (Rotbuchverlag), 2018 den Text „Doppelt heimatlos?“ für ZEIT Online, worin sie ihre ostdeutsch-migrantische Perspektive verhandelt, 2024 die autofiktionale Erzählung „Das Foto“ für die „Neue Rundschau“ ( S. Fischer Verlag). Seit 2019 kuratiert Angelika Nguyen die Filmreihe „Viet-Duc – Geschichten aus der vietnamesischen Diaspora“ mit jungen vietdeutschen Filmemacher*innen. Sie arbeitet als Autorin, Referentin und Filmjournalistin. Sie lebt in Berlin.
Zum Projekt „Wir Anderen. Gesellschaftliche Vielfalt in der SED-Diktatur“
Das neue, vom Bund geförderte Bildungsprojekt „Wir Anderen. Gesellschaftliche Vielfalt in der SED-Diktatur“ der Stiftung Gedenkstätte Lindenstraße, soll dazu beitragen, ein differenziertes Bild der Lebensverhältnisse unter der SED-Diktatur zu vermitteln, indem die Erfahrungen marginalisierter Bevölkerungsgruppen erschlossen und vermittelt werden. Das Projekt schließt dabei an die Lebenswelt und die Interessen junger Menschen an, indem es Fragen zentral stellt, die in der Erinnerungskultur noch zu oft unbeantwortet bleiben: etwa nach den spezifischen Erfahrungen homosexueller Menschen in den Haftanstalten der DDR, nach den Repressionserfahrungen von Migrant:innen oder nach den Möglichkeiten und Grenzen jüdischen Lebens in der SED-Diktatur.
Im Rahmen des bis Ende 2027 laufenden Projektes werden junge Erwachsene als Multiplikator:innen ausgebildet, die ihre erworbenen Kenntnisse anschließend im Rahmen von Tagesworkshops und Projektwochen an Jugendliche und Heranwachsende weitergeben. Durch diesen Peer-to-peer-Ansatz und den direkten Bezug zur Lebenswelt junger Menschen eröffnet das neue Bildungsprojekt „Wir Anderen. Gesellschaftliche Vielfalt in der SED-Diktatur“ neue Zugänge zur Geschichte der SED-Diktatur.
Ergebnisse des Projektes werden außerdem in der letzten Projektphase als Teil der Ausstellung in der Gedenkstätte Lindenstraße präsentiert.
Internationale Wochen gegen Rassismus
Die Veranstaltung ist Teil der Internationalen Wochen gegen Rassismus (16. – 29. März 2026), die deutschlandweit von der Stiftung gegen Rassismus koordiniert werden. Die diesjährigen Internationalen Wochen gegen Rassismus unter dem Motto „100 % Menschenwürde. Zusammen gegen Rassismus und Rechtsextremismus“ werden in Brandenburg eröffnet.
Weitere Veranstaltungen der Stiftung Gedenkstätte Lindenstraße im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus:
18. März, 18 Uhr
Buchvorstellung: „UNVERGESSEN. Geschichten nationalsozialistischer Verfolgung aus Potsdam“
24. März, 18 Uhr
Filmveranstaltung & Gespräch
„Bruderland ist abgebrannt“ (1991), 28 Minuten, Regie: Angelika Nguyen
25. März, 16:30 Uhr
Sonderführung: NS-Verbrecher im Gefängnis Lindenstraße
Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.
Anmeldung unter: info[at]gedenkstaette-lindenstrasse.de
24.03.2026
18:00 Uhr