Bebilderter Vortrag über Horst Schüler und Lesung aus seinen Texten.

Horst Schüler im Jahr 2000 © Lagergemeinschaft Workuta, GULag Sowjetunion e.V.

Horst Schüler im Jahr 2000 © Lagergemeinschaft Workuta, GULag Sowjetunion e.V.

Zum Gedenken an den 100. Geburtstag von Horst Schüler am 16. August 2024.

Die Lagergemeinschaft Workuta und die Stiftung Gedenkstätte Lindenstraße nehmen den 100. Geburtstag von Horst Schüler am 16. August 2024 zum Anlass für ein ehrendes Gedenken mit einem bebilderten Vortrag und einer Lesung aus den Texten des 2019 verstorbenen Journalisten.

Horst Schüler kommt 1924 im heutigen Potsdamer Stadtteil Babelsberg zur Welt. Als 17-Jähriger wird er Zeuge, wie sein Vater Fritz Schüler, der sich im sozialdemokratischen Widerstand gegen die Nationalsozialisten engagierte, von den Nationalsozialisten festgenommen und im Gefängnis Lindenstraße inhaftiert wird. 1942 erfolgt die Ermordung seines Vaters im KZ Sachsenhausen.

Als „Opfer des Faschismus“ kann Horst Schüler nach dem Zweiten Weltkrieg ein Volontariat bei der „Märkischen Volksstimme“ beginnen. Er verfasst eine regelmäßige Glosse, die Alltagsprobleme aufgreift, Behördenwillkür kritisiert und offenkundige Mängel beim Namen nennt. Die wachsende Zensur und ein Versuch, ihn als Spitzel zu rekrutieren, verstören Schüler. Er nimmt Verbindung mit der „Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit“ (KgU) in West-Berlin auf. Fortan berichtet er in westlichen Zeitungen unzensiert über Verhältnisse in der Sowjetischen Besatzungszone.

1951 wird Horst Schüler vom sowjetischen Geheimdienst NKWD verhaftet und ebenfalls im Gefängnis Lindenstraße in Potsdam eingesperrt. Nach langen Verhören wird Schüler im März 1952 von einem Sowjetischen Militärtribunal zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt und in den Lagerkomplex Workuta am nördlichen Polarkreis deportiert.

Nach seiner vorzeitigen Entlassung in die DDR geht er 1955 mit seiner Ehefrau Ingrid nach Hamburg und arbeitete dort weiter als Journalist. 1992 reist er als erster deutscher Journalist zurück nach Workuta und schreibt über seine Erlebnisse das gleichnamige Buch „Workuta: Erinnerung ohne Angst“. Horst Schüler war langjähriger Sprecher der Lagergemeinschaft Workuta / GULag Sowjetunion und von 2002 bis 2007 Bundesvorsitzender der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG). Die doppelte Diktaturerfahrung prägte sein ganzes Leben.

Horst Schülers Biografie ist ebenfalls Teil der von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur konzipierten Plakatausstellung «…denen mitzuwirken versagt war.» Ostdeutsche Demokraten in der frühen Nachkriegszeit, die noch bis zum 18. August 2024 in der Gedenkstätte Lindenstraße zu sehen ist. Die Ausstellung führt die Besuchenden in den historischen Kontext der damaligen Zeit ein, in die Entstehung des Grundgesetzes und seiner Grundrechte sowie die parallele Errichtung einer kommunistischen Diktatur in SBZ / DDR. Mit den biografischen Tafeln werden Personen in Erinnerung gebracht, die beispielhaft für Viele sich in der SBZ und DDR im Zeitraum 1945-1953 für Demokratie und Grundrechte eingesetzt haben.

Bebilderter Vortrag über Horst Schüler und Lesung aus seinen Texten
am 16. August 2024 ab 17 Uhr in der Gedenkstätte Lindenstraße

Begrüßung:
Maria Schultz, Vorstand der Stiftung Gedenkstätte Lindenstraße

Grußwort:
Dr. Anna Kaminsky, Direktorin der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Vortrag:
Stefan Krikowski, Vorsitzender der Lagergemeinschaft Workuta / GULag Sowjetunion e.V.

Lesung:
Alexander Bandilla, Schauspieler und Kulturwissenschaftler

Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei. Wegen der begrenzten Platzzahl wird um Anmeldung gebeten unter info@gedenkstaette-lindenstrasse.de

 

Datum/Zeit
16.08.2024
17:00 Uhr