Landschaften der Verfolgung

Interdisziplinärer Forschungsverbund zu politischer Repression und Haft in der SBZ und DDR
Laufzeit: 2019-2023

Im Zusammenschluss von Universitäten, Gedenkstätten und Aufarbeitungsinitiativen widmet sich der Forschungsverbund »Landschaften der Verfolgung« der Erforschung politischer Verfolgung in Ostdeutschland zwischen 1945 und 1989. Beteiligt sind neben der Stiftung Gedenkstätte Lindenstraße die Humboldt-Universität zu Berlin, die Charité Berlin, die Universität Passau, die Europa-Universität Viadrina, die Gedenkstätte Hohenschönhausen, der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, die Robert-Havemann-Gesellschaft und das Menschenrechtszentrum Cottbus. Gemeinsames Ziel ist es, eine Datenbank mit den Namen und Biografien aller Opfer politischer Verfolgung in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und DDR zwischen 1945 bis 1989 zu erstellen, aber auch strukturelle Fragen zu beantworten.


Teilprojekt: »Untersuchungshaftanstalt der MfS-Bezirksverwaltung Potsdam und ihrer Vorläuferorganisationen seit 1945«

Projektleitung: Uta Gerlant
Projektmitarbeiter: Sebastian Stude

In ihrem Teilprojekt erforscht die Stiftung Gedenkstätte Lindenstraße die Geschichte der Potsdamer Untersuchungshaftanstalt zwischen 1945 und 1989. Es sollen Fragen beantwortet werden, wie: Wie änderte die Bau- und Nutzungsgeschichte den innerstädtischen Ort? Was waren Prägungen, Motive und Einstellungen der hier tätigen Geheimdienstmitarbeiter? In welchem rechtlichen und räumlichen Handlungsrahmen bewegten sie sich jeweils und wie änderten sich diese? Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit politischer Führung, staatlicher Verwaltung und Justiz? Wer war in der Potsdamer Untersuchungshaftanstalt inhaftiert? Welche Strafvorhaltungen machte der Geheimdienst den Inhaftierten? Was durchlebten die Inhaftierten in der Haft? Und wie prägten diese Erfahrungen ihr Leben über die Zeit der Haft hinaus? Was war in Potsdam typisch und möglicherweise besonders im Vergleich zu anderen Untersuchungshaftanstalten der sowjetischen und der ostdeutschen Geheimpolizei?

Für das Projekt werden die Überlieferungen im Stasi-Unterlagenarchiv systematisch ausgewertet. Darüber hinaus fließen u. a. Überlieferungen des Bundesarchivs, des Brandenburgischen Landeshauptarchivs und des Stadtarchivs Potsdam in das Vorhaben ein. Einen besonderen Stellenwert werden Überlieferungen und Erinnerungen von Zeitzeugen einnehmen. Die Arbeitsergebnisse werden als Vorträge, Veröffentlichungen und Ausstellungen in der Gedenkstätte Lindenstraße öffentlich präsentiert.

Wissenschaftlicher Mitarbeiter für das Potsdamer Teilprojekt ist der Historiker Sebastian Stude. Bisher hat Sebastian Stude bereits zu verschiedenen Aspekten der Geschichte der SED-Geheimpolizei und der brandenburgischen Zeitgeschichte gearbeitet. Zuletzt war er in der Abteilung »Bildung und Forschung« beim Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen angestellt. Seine Dissertation zur Geschichte des Kernkraftwerkes bei Rheinsberg betreut Prof. Patrick Wagner an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.


Das im Januar 2019 gestartete Verbundprojekt »Landschaften der Verfolgung« wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) als eines von 14 Projekten gefördert, die sich mit der Geschichte der DDR auseinandersetzen. Neben der stärkeren Verankerung der DDR-Forschung an den Hochschulen zielt das Forschungsvorhaben insbesondere auf eine engere Vernetzung von Forschung und Lehre zwischen Universitäten und Gedenkstätten.

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