Ab dem 26. September ist die neue Sonderausstellung „Das graue Elend von Potsdam. Sowjetischer Haft- und Tribunalort Lindenstraße 1945–1952“ in der Gedenkstätte Lindenstraße zu sehen. Sie nimmt die sowjetische Nutzungsphase des Potsdamer Justiz- und Haftortes Lindenstraße in den Blick. Dieses Areal beschlagnahmte der sowjetische Geheimdienst im Juli 1945. Er nutzte es bis 1952 im Kontext von Entnazifizierung und der Errichtung einer neuen Diktatur stalinistischer Prägung. Der Haftort Lindenstraße diente als überregionales Sammel-, Untersuchungs- und Durchgangsgefängnis für mehr als 2.000 Männer, Frauen und Jugendliche aus über 15 Nationen Europas. Im Gerichtssaal tagten Sowjetische Militärtribunale. Sie verhängten in Prozessen, die keinerlei rechtsstaatlichen Grundsätzen entsprachen, unverhältnismäßig hohe Strafen bis hin zur Todesstrafe.
Im Zentrum der Ausstellung stehen die Biografien von 26 Menschen, die als NS-Täter und Tatbeteiligte bzw. als vermeintliche oder tatsächliche Gegner der neuen kommunistischen Diktatur inhaftiert wurden. Die Schau präsentiert zahlreiche bisher nicht gezeigte Objekte sowie unveröffentlichte Fotos und Dokumente
Zum Eröffnungswochenende findet am 27. September um 11 Uhr ein Zeitzeugengespräch mit Jochen Stern, der 1947/48 im Gefängnis Lindenstraße inhaftiert war, statt. Um 14 Uhr gibt die Kuratorin und Gedenkstättenleiterin Maria Schultz vertiefende Einblicke in die Ausstellung. Am 28. September um 15 Uhr wird eine Dialogführung mit Maria Schultz und Stefan Krikowski, Vorsitzender der Lagergemeinschaft Workuta/GULag Sowjetunion, veranstaltet. (Anmeldung zu den Veranstaltungen unter info[at]gedenkstaette-lindenstrasse.de)