Frauenpolitisches Engagement: Wir suchen Zeitzeug:innen für geplante Ausstellung

Im Januar 1990 bezogen politisch engagierte Frauen gemeinsam mit dem Neuen Forum, der SPD und weiteren neuen Gruppierungen ein Büro im ehemaligen Untersuchungsgefängnis des Ministeriums für Staatssicherheit in der Otto-Nuschke-Straße. Sie machten in der Folgezeit aus dem Repressionsort ein Haus der Demokratie in der wieder zurückbenannten Lindenstraße. Die Frauen traten mit großen Zielen an: „Wir dachten, wir können die Welt aus den Angeln heben“. Dieser Satz bildet den Ausgangspunkt für eine geplante Ausstellung in der Gedenkstätte Lindenstraße, die dort ab August 2022 gezeigt werden soll. Im Zentrum steht die Unabhängige Initiative Potsdamer Frauen, die sich am 16. Dezember 1989 gründete, um in der Umbruchssituation die politischen und sozialen Interessen von Frauen wirksam zu vertreten.

Mit dem Ausstellungsvorhaben widmet sich die Gedenkstätte einem Teil der Hausgeschichte und einer fast vergessenen frauenpolitischen Gruppe. Sie nimmt die Zeit der Friedlichen Revolution und der Transformationsphase in den Blick. Die Unabhängige Initiative Potsdamer Frauen war in den vielen neuen Übergangsgremien aktiv, von den Runden Tischen der Stadt und des Bezirkes bis hin zum Provisorischen Regionalausschuss Berlin. Erfolgreich wurden erste Strukturen für die Gleichstellung von Männern und Frauen geschaffen. Bestimmend war das Wahljahr 1990. Dabei standen die Akteurinnen für eine reformierte DDR, deren Inhalte es noch auszuloten galt.


Gedenkstätte Lindenstraße sucht Zeitzeug:innen

Vielleicht können Sie sich noch an die Fraueninitiative erinnern und wollen damit zur Ausstellung beitragen? Wir suchen Gegenstände, Dokumente, Plakate, Flyer, Fotos, Sticker und Erinnerungen an Veranstaltungen. Waren Sie zum Beispiel am 8. März 1990 auf dem Potsdamer Platz der Nationen (heute: Luisenplatz), um für gleiche Rechte von Frauen und Männern zu demonstrieren und haben danach in der Gaststätte „Orion“ getanzt? Erinnern Sie sich an den Wahlkampf der Potsdamer Frauen zusammen mit den Grünen anlässlich der ersten freien Volkskammerwahlen oder bei den Landtagswahlen 1990? Oder waren Sie beim Frauenstreiktag 1994 dabei, wo Potsdamer Kreuzungen besetzt und Straßen umbenannt wurden?

Bitte melden Sie sich bei der Stiftung Gedenkstätte Lindenstraße unter info@gedenkstaette-lindenstrasse.de oder rufen Sie an: 0331-2896112.


Bildunterschrift:

Aufteilung der Räume für die neuen Parteien und Gruppierungen im ehemaligen Untersuchungsgefängnis der Staatssicherheit in Potsdam, von der Unabhängigen Initiative Potsdamer Frauen nahmen teil: Brigitte Kirsten (3. von links) und Beate Müller (rechts), 11. Januar 1990

© Bernd Blumrich